Im Industriegebiet am Westrand Endingens will Keller einen neuen Firmensitz bauen. Die Baugenehmigung kam am 23. Dezember – ein Weihnachtsgeschenk. Jetzt kann die Firma loslegen.

Neubau der Keller Blechtechnik GmbH
So soll der Neubau aussehen

Mit einer Hufschmiede legte Adolf Keller 1901 den Grundstein. 120 Jahre später präsentiert sich die Firma Keller Blechtechnik als hochmodernes, mittelständisches Unternehmen mit industrieller Fertigung und handwerklichem Know-how. 2021 soll ein weiterer Meilenstein in der Firmengeschichte werden. Im Industriegebiet am Westrand der Stadt entsteht ein neuer Firmensitz des Familienunternehmens in vierter Generation.

Aus kleinen Anfängen

Vor 20 Jahren stieg Harald Keller ins Unternehmens ein, 2003 übernahm er die Firmenleitung. Bis dahin hatte der traditionsreiche Betrieb bereits einen erheblichen Wandel vollzogen. 1963 hatten Adolf und Erhard Keller die von ihrem Großvater Adolf und Vater Adolf aufgebaute Firma übernommen und spezialisierten sich fortan auf die Bereiche Metallbau und Landmaschinentechnik. Zehn Jahre später bezog das bis dahin nahe der Peterskirche in der Altstadt ansässige Unternehmen den Neubau an der Wöllinger Straße, wo sich bis heute der Firmensitz befindet. 1992 entstand eine zweite Werkhalle, neun Jahre später ein neues Bürogebäude. 2005 wuchs das Betriebsgelände auf 4500 Quadratmeter.

Kontinuierlich investierte die Firma in die Fertigungstechnik. Lasertechnik ist bei Keller bereits seit 1997 im Einsatz. Laserschneide- und Laserschweißanlagen erweiterten in der Folge das Fertigungsspektrum. Auch die Mitarbeiterzahl wuchs stetig auf heute 66 Beschäftigte. 2008 übernahm Harald Keller das komplette Unternehmen – neben der Blechtechnik GmbH auch die Besitzgesellschaft, die die Immobilien hält. Im selben Jahr verabschiedete sich das Unternehmen endgültig von der Landmaschinentechnik. Vier Jahre später verschwand auch der Begriff Metallbau aus dem Firmennamen. Längst hatte sich Keller zum industriellen Spezialisten in Sachen Blechtechnik entwickelt. Dem trug auch die Umfirmierung 2012 Rechnung.

Komplexes aus Blech

Keller und sein Team entwickelten Fertigungskonzepte zur Herstellung komplexer Produkte aus Blech, die möglichst ohne teure Sonderwerkzeuge auskommen und erschlossen sich so viele Branchen. Zum Kundenkreis gehören heute der Maschinen- und Fahrzeugbau, Medizintechnik, Agrartechnik, Elektronik und Sensortechnik und die Solarbranche. Wichtig ist Harald Keller dabei eine möglichst große Fertigungstiefe und Wertschöpfung aus einer Hand: „Wir entwickeln mit unseren Kunden die Produkte vom Prototyp bis hin zur kompletten Fertigung.“ Ob Stanzen, Biegen, Schweißen oder Beschichten – man biete individuelle und effiziente Fertigungskonzepte, modernste Technik und komplette Baugruppenmontagen aus einer Hand. Keller „Wir können alles, was größere Unternehmen auch können.“ Gleichzeitig sei man als kleines Unternehmen aber flexibler.

Ob Apparate fürs Pressen von Tabletten, Maschinengestelle oder Schaltschränke – „aus Blech kann man viel gestalten“, sagt Harald Keller. Das Unternehmen entwickelte Standardlösungen zur effizienten und damit kostengünstigen Produktion. Vor allem die Lasertechnik eröffne viele Möglichkeiten. Die Produkte, die an der Wöllinger Straße entstehen, sind in der Regel eher handlich. „Das meiste kann man unter den Arm klemmen“, sagt der Firmenchef. Große Teile seien seltener. Manches hat gerade mal Stecknadelgröße und wird unter dem Mikroskop geschweißt. Am Ende steht für den Kunden ein fertig verarbeitetes und verpacktes Produkt aus einer Hand und ohne lange Wege im Herstellungsprozess.

Aus der Region in die ganze Welt

Die Kunden kommen zu mehr als 90 Prozent aus rund 100 Kilometern Umkreis. Die Produkte allerdings gehen in die ganze Welt. Manche Kunden sind seit 50 oder 60 Jahren mit dem Unternehmen verbunden. Die Nähe zu den Kunden war auch ein Vorteil in der Corona-Pandemie, sagt Keller: „Wir waren da, hatten kurze Wege und konnten liefern.“ Überhaupt habe Corona ein Umdenken und mehr Bewusstsein für die Region gebracht. „Nicht alles muss aus Übersee kommen.“ Bislang sei man gut durch die Pandemie gekommen – geschäftlich wie gesundheitlich. Abteilungen wurden getrennt, die Kontakte in der Firma minimiert. Mehrere Beschäftigte in der Verwaltung gingen ins Homeoffice.

Nachhaltigkeit im Blick

Effizienz und Nachhaltigkeit stehen neben der notwendigen Erweiterung beim geplanten Neubau im Mittelpunkt. Auf einen mittleren einstelligen Millionenbetrag beziffert Harald Keller die Investitionssumme für den neuen Firmensitz. Knapp 11 300 Quadratmeter Fläche hat Keller dafür von der Stadt gekauft und eine Option auf weitere Flächen in dieser Größenordnung. Die Stadt habe ihn bei der Suche und Entwicklung des Standorts und der Aufnahme ins ELR-Förderprogramm tatkräftig unterstützt, betont Keller. Dass die Firma – laut Keller immerhin eines der ältesten ansässigen Unternehmen – in Endingen bleiben kann, ist ihm wichtig: „Wir sind hier verwurzelt.“

Effizientere und umweltfreundliche Produktion

An einem Umzug führte kein Weg vorbei nach der Entwicklung vom Handwerks- zum Industrieunternehmen mit Drei-Schicht-Betrieb. Das passe einfach nicht mehr in ein Mischgebiet mit Wohnbebauung in der Nachbarschaft. Am aktuellen Standort hat das Unternehmen 1900 Quadratmeter Hallenfläche plus 300 Quadratmeter in einem Zelt. Der Neubau an der Elsässer Straße bietet künftig 4250 Quadratmeter Hallenfläche sowie 650 Quadratmeter für Büros und Schulungsräume. Gebaut wird energieeffizient nach KfW-55-Standard. Eine große Photovoltaikanlage soll möglichst den kompletten Strombedarf decken. „Wir wollen annähernd CO2-neutral fertigen“, sagt Harald Keller. Auch neue Konzepte und Technologien sollen zu effizienter und umweltgerechter Produktion beitragen. Der CO2-Fußabdruck werde auch für große Kunden immer wichtiger. Der Nachhaltigkeit fühle man sich aber auch mit Blick auf die kommende Generation verpflichtet, sagt der 42-jährige Vater von vier Töchtern. Dass seine älteste Tochter Interesse am Unternehmen hat, freut ihn.

Im Stil einer Smart Factory

Der neue Firmensitz entsteht nach dem Vorbild einer Smart Factory mit viel EDV. Aus automatisierten Großlagern in den Produktionshallen mit 1500 Tonnen Kapazität werden die Bleche automatisch an die Maschine befördert, die fertigen Teile wandern ebenso automatisiert zurück ins Regal. Fahrerlose Transportsysteme sollen schwere körperliche Arbeit vermeiden. Ziel sei es, attraktive und gute Arbeitsplätze und Arbeitsbedingungen zu bieten. Wichtig ist Keller allerdings, dass die Automatisierung keineswegs zum Abbau von Arbeitsplätzen dienen soll. Ziel sei vielmehr, kontinuierlich und nachhaltig zu wachsen, aber nicht um jeden Preis. Aktuell macht das Unternehmen laut Keller einen Jahresumsatz zwischen sechs und sieben Millionen Euro.

Was an der Elsässer Straße demnächst entsteht, können der Unternehmer und seine Mitarbeiter bereits virtuell erleben. Die komplette Fabrikplanung entsteht als Bachelorarbeit – dreidimensional. „Wir können die kompletten Abläufe schon jetzt simulieren“, erklärt Keller. Alle Abteilungsleiter gestalten ihre Abteilungen dabei aktiv mit.

Spatenstich steht kurz bevor

Am 23. Dezember 2020 wurde die Baugenehmigung erteilt – ein Weihnachtsgeschenk für Keller nach längerem Vorlauf. Drei Jahre dauerte es, bis die Fläche verfügbar war. Auch die Archäologie forderte und bekam ihr Recht: Nach der Erkundung Ende 2019 wurden Vorgaben entwickelt, wo und wie gebaut werden kann. Der Spatenstich für den neuen Firmensitz soll in den nächsten Wochen erfolgen. Der Denkmalschutz wird auch die Erdarbeiten begleiten. Umzug ins neue Domizil soll im Frühjahr 2022 sein.

Die alte Schmiede, in der vor 120 Jahren alles begann, ist bis heute im Familienbesitz, sagt Harald Keller. Den Bezug zu den Anfängen bewahrt er zumindest hobbymäßig bis heute als Mitglied in der Schmiedezunft.

Neubau der Keller Blechtechnik GmbH
In der alten Halle geht es eng zu

Quelle: Badische Zeitung vom 21.01.2021

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